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Neuer Newsletter der Unabhängigen Patientenberatung!

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum ersten Newsletter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD)! Mit diesem neuen Format wollen wir Sie ab sofort über unsere neuen Veröffentlichungen, Veranstaltungen und alles Wichtige rund um unser Beratungsangebot informieren. Darüber hinaus wollen wir einen Blick auf wichtige Neuerungen und aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen und in der Gesundheitspolitik werfen - natürlich aus Patientensicht.

Wir sind da guter Dinge: Zwischen der Corona-Pandemie, dem Dauer-Zankapfel Digitalisierung und den Diskussionen um ärztliche Versorgung auf dem Land, den Pflegenotstand und viele weiteren aktuellen Baustellen in unserem Gesundheits- und Pflegewesen werden uns die Themen sicher nicht ausgehen. Zum Abschluss eines jeden Newsletters geben wir außerdem einem unserer Kooperationspartner die Gelegenheit, in einer kleinen Frage-Antwort-Runde sich und seine Arbeit vorzustellen. Den Anfang macht das spannende und innovative Projekt „SHARE TO CARE“. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Herzlichst

Thorben Krumwiede

Geschäftsführer der Unabhängigen Patientenberatung

DIe UPD - Was ist das eigentlich?

Nicht jeder Leser oder jede Leserin mag auf Anhieb mit unserer Patientenberatung vertraut sein, lassen Sie uns daher mit einer kleinen Einführung beginnen: Ursprünglich stammt die Idee einer unabhängigen, professionellen Beratung für Patientinnen und Patienten aus der damaligen rot-grünen Bundesregierung aus dem Jahr 2000. Die derzeitige Förderphase läuft bis Ende 2023, aber es gibt gute Neuigkeiten: Kurz vor der Sommerpause hat der Deutsche Bundestag entschieden, dass die UPD ab 2024 unbefristet und ohne Neuausschreibung ihre Ratsuchenden informieren und beraten soll.

Die genaue Umsetzung steht noch nicht fest, auch im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung wurde lediglich etwas vage festgehalten, dass die UPD „…in eine dauerhafte, staatsferne und unabhängige Struktur unter Beteiligung der maßgeblichen Patientenorganisationen.“ überführt werden soll. Da heißt es Abwarten – dem politischen Flurfunk zufolge wird im Hause Lauterbach momentan aber an mehreren großen Gesetzesvorhaben gezimmert. Lesen Sie unterdessen in unserem „Konzept Modell 2023“, wie wir uns eine strukturelle und inhaltliche Weiterentwicklung der UPD vorstellen.


Was macht die UPD denn nun genau? In einem Satz: Wir bieten unabhängige, qualifizierte und kostenfreie Beratung für alle Menschen zu gesundheitlichen und rechtlichen Fragen, egal ob sie gesetzlich, privat oder gar nicht krankenversichert sind. Mit jeder Beratung wollen wir die Gesundheitskompetenz der oder des Ratsuchenden steigern, denn: Unser übergeordnetes Ziel heißt „Hilfe zur Selbsthilfe“ – nach einer Beratung bei uns sollten Patientinnen und Patienten das mitunter komplizierte deutsche Gesundheitssystem besser durchschauen und selbstständig eigenverantwortliche Entscheidungen über ihre Gesundheit treffen können.

Unser qualifiziertes Beratungsteam besteht unter anderem aus Ärztinnen und Ärzten sowie Juristinnen und Juristen und kann per Telefon, online oder per Post erreicht werden. Außerdem betreiben wir in 30 deutschen Städten Beratungsstellen, in denen nach Terminvereinbarung eine persönliche Beratung stattfinden kann. Weitere 100 deutsche Städte werden regelmäßig von einem unserer drei speziell zu diesem Zweck umgebauten Beratungsmobile angefahren.Für unsere Mobile mussten wir wegen der Pandemie leider ein Dauerparkticket erwerben, viele unserer regionalen Beratungsstellen konnten aber mittlerweile aber wieder öffnen. Alle Details zu unserem inhaltlichen Beratungsspektrum, zu unseren Beratungswegen, unserer Struktur und Finanzierung und unserer Methodik und Arbeitsweise finden Sie auf unserer Website https://www.patientenberatung.de/

Aktuelles aus der UPD

Wie sieht es aus mit der Qualitätstransparenz im deutschen Gesundheitswesen? Leider nicht so berauschend: In den meisten Bereichen des Gesundheitssystem ist Qualitätstransparenz eher Sage als Wirklichkeit. Ob in Arzt- und Heilmittelerbringerpraxen, bei Krankenkassen oder bei ambulanten Pflegediensten: Allerortens fehlt es an aussagekräftigen, transparenten Qualitätsdaten und einfachen Vergleichsmöglichkeiten. Unsere Beratungserfahrung zeigt, dass Versicherte oft dazu gezwungen sind, „die Katze im Sack“ zu kaufen. Um das zu ändern, braucht es eine gemeinsame Anstrengung aller Parteien im Rahmen einer Gesamtstrategie Qualitätstransparenz - das fordert unser neues Positionspapier zum Thema. Zum ganzen Papier geht es hier.   

Anfang Februar haben wir ein wenig Staub aufgewirbelt und eine neue Patienteninformation zum Thema Homöopathie veröffentlicht. Klare Aussage: Homöopathie wirkt nicht über den Placeboeffekt hinaus und kann bisweilen sogar schaden: Etwa, wenn schwer kranke Menschen lieber homöopathische Globuli schlucken statt eine erwiesenermaßen wirksame Therapie zu beginnen. Oder wenn der Glauben an aternativmedizinische Konzepte dazu beiträgt, dass Menschen das Konzept der evidenzbasierten Medizin an sich in Zweifel ziehen– die Debatten um die Corona-Impfung lassen grüßen.

Uns war es wichtig, eine sowohl evidenzbasierte als auch für Patientinnen und Patienten verständliche und nützliche Information zu veröffentlichen. Geben Sie doch mal „Homöopathie“ bei Google ein und schauen Sie sich die Ergebnisse an: Wenig distanzierte und oft kommerzielle Treffer gibt es in Hülle und Fülle, kritisch-evidenzbasierte Information ist dagegen Mangelware. Zu unserer begleitenden Pressemitteilung geht es hier.

Jeden Monat veröffentlichen wir außerdem einen „Fall des Monats“. In den „Fällen des Monats“ nehmen wir aktuelle Fälle aus unserer Beratung zum Anlass, den Fall und die Hintergründe einmal aufzuschreiben und nützliche Tipps und Handlungsalternativen für Betroffene zu geben. Im Januar haben wir darüber informiert, welche Kündigungsfristen gelten, wenn die Krankenkassen – wie zu Jahresbeginn vielfach geschehen – den Zusatzbeitrag erhöhen, und was bei einem Kassenwechsel für Versicherte zu beachten ist. Im Februar ging es um die Suche nach einer guten Klinik etwa für eine Operation - welche Kriterien sollte ein gutes Krankenhaus erfüllen? Und wo suche ich? Der März brachte Tipps für Menschen, deren Angehörige an Demenz erkranken, und im April haben wir eine kleine Einordnung der „Wunderwaffe“ Hyposensibilisierung für den Kampf gegen Allergien geliefert.

Termine und Veranstaltungen

Wir bieten regelmäßig Webinare und ähnliche Online-Formate an, in denen unsere Beraterinnen und Berater über Wichtiges und Aktuelles informieren – von Corona-Impfungen über gesetzliche Neuregelungen im Pflegebereich bis zum aktuellen Stand der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die Teilnahme ist dabei stets kostenlos. Als nächstes steht schon morgen, dem 17. Mai um 17 Uhr, in Kooperation unter anderem mit dem Landesmedienzentrum Baden-Württemberg eine digitale Infoveranstaltung zum Thema „DiGa – Apps auf Rezept“ auf dem Plan – alle Infos hier. Fragen können während der Veranstaltung per Live-Chat gestellt werden. Kommende Webinare und sonstige Veranstaltungen wie Round Tables zu bestimmten Themen finden Sie immer hier auf unserer Website.

Dort kündigen wir übrigens auch immer die jährlichen Vernetzungstreffen unserer regionalen Beratungsstandorte an, auf denen wir uns – vorerst noch weiterhin digital – mit unseren Partnern vor Ort und in der Region austauschen, die weitere Zusammenarbeit besprechen und über aktuelle Themen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen diskutieren.

Übrigens: Sie gehören beispielsweise zu einer Selbsthilfegruppe, einem Verband im Gesundheitswesen oder einem Bürger- oder Gesundheitsamt und möchten Informationsmaterial anfordern, ein Projekt mit uns durchführen oder sich einfach nur mit uns austauschen? Im neuen Netzwerkbereich auf unserer Website können Sie mit unseren regionalen Beratungsstellen oder unserer Zentrale im schönen Berlin-Britz in Kontakt treten.

Monitor Patientenberatung

Die Veröffentlichung unseres nächsten Monitor Patientenberatung steht in den Startlöchern: Unser Redaktionsteam war fleißig und am Monitor fehlt nur noch der letzte Feinschliff. Zum Inhalt sei schon einmal so viel verraten: Neben den Großthemen Corona und Impfen steht auch – leider – weiterhin das fragwürdiges Verwaltungshandeln der Krankenkassen auf dem Programm. Dabei geht es vor allem darum, wie einige Krankenkassen mit Widersprüchen gegen Leistungsentscheidungen umgehen und dabei Versicherte verwirren und unter Druck setzen. Und: Auch in 2021 sah mit der Verfügbarkeit von Psychotherapie-Plätzen weiterhin schlecht aus. Dabei hat auch unsere Beratungserfahrung gezeigt, dass die Pandemie und ihre Auswirkungen den Bedarf für psychotherapeutische Behandlungen weiter erhöht haben. Eine Verbesserung durch gesetzliche Maßnahmen lässt sich bislang nicht erkennen – im Gegenteil.

Gerne schon mal vormerken: Am 29. Juni, 10 Uhr, stellen wir in einer digitalen Veranstaltung den neuen Monitor vor und diskutieren mit Expertinnen und Experten unter anderem darüber, welche Lehren wir aus der Corona-Pandemie für die Gesundheitskommunikation der Zukunft ziehen sollten und wie die Arbeit von Krankenkassen transparenter und versichertenfreundlicher gestaltet kann.

 Zu unseren Monitoren aus den vergangenen Jahren geht es übrigens hier.

Drei Fragen an: Dr. Fülop Scheibler von "SHARE TO CARE"

Das Programm „SHARE TO CARE“ unterstützt Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte dabei, gemeinsam Entscheidungen über die Gesundheit der Patientinnen und Patienten zu treffen, die „auf die persönlichen Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt sind“. Basis dafür ist der Prozess der gemeinsamen Entscheidungsfindung, auch „Shared Decision Making“ (SDM) genannt. Ein wichtiger Bestandteil des Programms sind dabei digitale evidenzbasierte Entscheidungshilfen (Mehr Infos zum Projekt hier)

Was war die Motivation für das Projekt Share to Care?

Dr. Scheibler: Niemand im deutschen Gesundheitswesen wird bestreiten, dass eine gute Information und Einbeziehung von Versicherten oder Patienten in Entscheidungen, die ihre Gesundheit und ihren Alltag betreffen, notwendig sind. Trotzdem gibt es bisher wenig Anstrengungen, dies systematisch und flächendeckend umzusetzen. Studien zeigen, dass das Niveau der Einbeziehung seit Jahren stagniert und dass Versicherte bzw. Patienten aber deutlich mehr Einbeziehung wünschen. Das Patientenrechtegesetz oder die zunehmende Empfehlung von „Shared Decision Making“ (SDM) in klinischen Leitlinien sind positive Entwicklungen, sie reichen aber alleine nicht aus. Die InitiatorInnen des Kieler Innovationsfonds-Projekts „Making SDM A Reality“ haben sich schon Jahre vor Projektbeginn mit SDM und patientenzentrierter Medizin beschäftigt. Uns verband der Wunsch, nicht nur über diese Konzepte zu forschen, sondern, sie tatsächlich und nachhaltig in den medizinischen Alltag zu implementieren

Was haben Patienten und Ärzte von "Shared Decision Making"?

Dr. Scheibler: Patienten bekommen diejenige Behandlung, die am besten zu ihrer Lebenssituation und ihren Wünschen und Bedürfnissen passt. Das klingt banal; in der Praxis werden aber sehr häufig mit den besten Absichten Behandlungen durchgeführt, die Patienten gar nicht gewollt hätten, hätten sie im Vorfeld erfahren, welche Konsequenzen sie haben. Ärzte klagen häufig über Zeitnot und sind nicht immer zufrieden mit der Aufklärung und Kommunikation, die sie in der knappen Zeit leisten können. Wir wollen sie dabei unterstützen, indem wir helfen ihre Gespräche besser zu strukturieren. Außerdem setzen wir für bestimmte Teile der Aufklärung multimediale Hilfsmittel ein, die internet-Entscheidungshilfen. Außerdem sind wir davon überzeugt, dass eine aktive und aufmerksame Mitarbeit der Patienten auch zu einer Verbesserung der Patientensicherheit t führt. Im Vereinigten Königreich hat dies beispielsweise eine breite Initiative des National Health Service (NHS) gezeigt.

 

Wie sollte im Jahr 2025 "Shared Decision Making" im Praxisalltag aussehen?

Dr. Scheibler: SDM sollte fest in der medizinischen Ausbildung – nicht nur der Ärzteschaft, sondern aller medizinischen Fachberufe – verankert sein. Idealerweise sollten die Behandlungspfade, daraufhin überprüft und angepasst werden, an welchen Stellen präferenzbasierte Entscheidungen getroffen werden und ob an diesen Stellen ausreichend Zeit und Information für eine gemeinsame Entscheidung vorhanden sind. Dafür sollten Behandlungsroutinen, die aktuell an einem Zeitpunkt stattfinden, auf mindestens zwei aufgeteilt werden, damit Patienten die Möglichkeit haben, sich gut zu informieren und sich eine Meinung zu Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Alternativen für sie persönlich zu bilden. Idealerweise würden sie in dieser Zeit von Entscheidungshilfen unterstützt.  Dies alles erfordert natürlich auch eine solide und dauerhafte Finanzierung, denn beispielsweise Entscheidungshilfen für Patienten oder das regelmäßige Training des medizinischen Fachpersonals erfordert gewisse Ressourcen. Ich wünsche mir eine demokratischere Medizin im Jahr 2025. Wir sind aber schon auf einem guten Weg. Vor 20 Jahren, als ich mit diesem Thema anfing, wurde ich entweder beschimpft oder ausgelacht. Mittlerweile ist SDM in aller Munde!

Erfahren Sie hier mehr über "SHARE TO CARE"
Hier geht's zur Website der Unabhängigen Patientenberatung
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